Der Anlass:

Alica hatte zum Geburtstag eine Übernachtung für zwei Personen und zwei Hunde in einem Hotel in der sächsischen Schweiz geschenkt bekommen. Im Anbetracht der doch eher kühlen Jahreszeit ein willkommenes Geschenk. Wintercampen werden wir auch noch ausprobieren, aber wenn man schon die Gelegenheit auf ein warmes Bett hat, nutzt man die doch.. In der Gegend um das Hotel gibt es unzählige schöne Wanderungen, wir hatten uns die Route Tyssaer Wände – Herkulessäulen von Rosenthal-Bielatal mit 18,5km ausgesucht. Für 11 Uhr war der Start der Wanderung geplant.

Wir hatten uns überlegt, dass wir trotz Josis Erkältung 4km pro Stunde schaffen müssten. 20 km durch 4 km macht 5 Stunden, also alles locker machbar bevor die Dämmerung eintritt.

Der Start 

Blöderweise hatte Alica vergessen, die Karte offline verfügbar zu machen. Grober Fehler, denn wir mussten feststellen, das nahezu in der ganzen sächsischen Schweiz kein Internetempfang ist. Schon die Anfahrt gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn der als Start markierte Parkplatz war wegen einer Straßensperre nicht erreichbar.

Wir dachten uns: „Egal, dann laufen wir halt 2km mehr“. Unsere deutsche Korrektheit stellte sich jedoch als übertrieben heraus, denn während wir dann zu dem eigentlichen Startpunkt liefen, fuhren einige Autos an uns vorbei, die gesperrte Straße entlang. Naja, laufen ist gesund. Endlich angekommen, ließ die nächste Schwierigkeit nicht lange auf sich warten. Die Brücke, die auf unseren Weg führte, war ebenfalls gesperrt.

Der Weg ist das Ziel

Kurzentschlossen balancierten wir über einen Baumstamm, der über den Bach führte. Auch wenn die Haltungsnoten nicht die besten waren, blieben die Füße glücklicherweise trocken.

Der kleine Pfad war wunderschön und führte uns an einigen Kletterern vorbei. Weil Drágám gerne den großen Beschützer spielt und dadurch spontan auftauchenden Menschen gegenüber oft unberechenbar ist, war er für diese Wanderung an der Schleppleine.

Nachdem wir eine Weile gelaufen waren, stellten wir fest, dass sich unser GPS Punkt nicht mit der eigentlichen Route deckte. Da uns der Weg gefiel, war uns das jedoch egal, auch wenn wir gleich mal unser erstes Highlight, die Bennohöhle verpasst hatten. Dafür sahen wir wunderbare Felsen, von denen einer aussah als hätte er ein Gesicht.

Natürlich nutzten wir diese wunderbare Kulisse auch, um schöne Drágám-und-Leni-Fotos zu machen. Zum Glück haben die beiden Spaß daran (natürlich nur unter der Bedingung, dass wir die richtigen Leckerli dabei haben!!)

Wir liefen weiter, und obwohl es Sonntag war, sahen wir nur hin und wieder einige Kletterer. Die Richtung stimmte, jedoch sahen wir anhand der Koordinaten, dass wir langsam zu weit nach Norden gerieten.

Querfeldein

Kurzentschlossen setzten wir unser Motto „Querfeldein“ in die Tat um. Sehr zur Freude unserer Hunde ging es quer durch den Wald einen Hang runter.

Wir schafften es, uns für etwa einen Kilometer an die von uns gewählte Route zu halten, dann entdeckten wir einen Wegweiser Richtung Tyssaer Wände. Da uns der Weg schöner als der Geplante erschien, folgten wir dem Schild. Erstmal eine gute Wahl, denn wir befanden uns wieder mitten in der Natur. Irritiert waren wir jedoch als wir plötzlich vor Warnschildern standen!

Wir konnten sie nicht übersetzen und es war niemand da, den wir fragen konnten, also „Augen zu und durch“. Natürlich haben wir es gegoogelt als wir wieder Internet hatten. Es heißt „Beobachte die Staatsgrenze“. Es stellte sich heraus, dass wir über den Grenzweg zu Tschechien gelaufen waren.

Alica geriet langsam in Sorge, dass sie von den geplanten Highlights Bennohöhle – Tyssaer Wände – Herkulessäulen kein Einziges sehen würde. Enttäuscht ließ sie verlauten „Ich glaube wir finden die Typhus-Felsen heute nicht mehr.. oder wie hießen die?!“ . Aber da der Weg schön war und die Hunde Spaß hatten, liefen wir trotzdem weiter.

Tyssaer Wände

Und plötzlich waren wir bei den Tyssaer Wänden. Das merkten wir zuerst einmal daran, dass wir, nachdem wir einige Zeit in kompletter Einsamkeit gelaufen waren, auf immer mehr Menschen trafen. Das konnte uns jedoch aufgrund der tollen Kulisse nicht davon abhalten, das ein oder andere Gruppenfoto in Angriff zu nehmen.

Die Felsformationen waren wirklich atemberaubend. Etwas verwunderten uns jedoch die fett auf die Steine gepinselten Zahlen. Erst im Nachhinein (wieder zu Hause) fanden wir heraus, dass es ein Heftchen mit Erklärungen zu den Felsen gibt. Egal – wir schafften uns unseren eigenen Eindruck!!

Immerwieder trafen wir andere Menschen, aber es gab keinerlei Probleme mit den Hunden. Es waren auch einige andere Hundebesitzer unterwegs. Da es relativ weitläufig ist, hatten wir dennoch immer wieder die Möglichkeit, einzelne Stellen genauer zu erkunden.

Bei diesem Gruppenbild ist interessant, dass Drágám partout nicht zu überzeugen war, mit Alica in die Höhle zu kriechen. Es wäre spannend zu wissen, woran das liegt. Manche Höhlen sind kein Problem:

Bei Anderen verweigert er sich komplett. Unsere Theorie ist nach wie vor, dass es an Fledermäusen und ihren hohen Tönen liegen könnte.

Die Route zwischen den Tyssaer Wänden ist übrigens auch mit älteren Hunden gut zu laufen, denn es gibt wenig Steigung und Treppen und man kann mit dem Auto direkt an den Startpunkt für den Rundweg fahren.

Der Rückweg

Nachdem wir den Rundweg absolviert hatten, traten wir den Rückweg an. Wir hatten nur eine Stunde bis Sonnenuntergang und noch ca 8 Kilometer zu laufen, also war klar, dass wir nun Gas geben mussten. Wir entschieden uns, den direkten Weg zu nehmen, auch wenn es bedeutete, ein ganzes Stück an der Straße entlang zu laufen. In einem kleinen Ort auf tschechischer Seite tauchte auf einmal ein kleiner Hund ohne Leine auf. Wir waren etwas unsicher wie Drágám reagiert, da es ein Rüde war und er ein ziemlicher Macho sein kann, wenn Leni dabei ist. Er entdeckte jedoch kurzerhand seine schwule Ader.

Schon klar, dass es unter Rüden auch als Dominanzverhalten gilt, aber da der andere Rüde kein Problem zu haben schien (im Gegenteil, er stellte sich immer wieder parat) und auch Drágám nicht aufhören wollte, beendeten wir die Sache. Allerdings nicht ohne uns vorher die Tränen aus den Augen zu wischen, denn es war wirklich eine urkomische Situation! Nach dieser amüsanten Unterbrechung ging es im Stechschritt weiter Richtung Auto. Josi, die sonst schneller als Alica ist (natürlich nur wegen ihrer längeren Beine) hatte ihre Mühe mitzuhalten, da sie durch ihre Erkältung nicht ganz auf der Höhe war. Dafür war sie gut vorbereitet, denn da sie uns kennt, hatte sie vorsorglich eine Stirnlampe mitgenommen. Es kam wie es kommen musste, die letzte Stunde liefen wir in kompletter Dunkelheit.

Da es ein breiter Weg war, der immer nur geradeaus ging, erreichten wir ohne weitere Unterbrechung gegen 18Uhr das Auto.

Das Hotel

Nun ging es fix ins Hotel, denn wir waren hungrig und wollten außerdem den Wellnessbereich testen. Drágám und Leni sind keine Hunde die viel bellen, also machten wir uns keine Gedanken, dass es problematisch sein könnte, sie alleine im Zimmer zu lassen. Einfacher gedacht als getan, denn von -„hier ist das Zimmer, wartet mal schön bis wir vom Essen kommen“ war Drágám nicht begeistert. Er bellte anfangs völlig hysterisch. Wir aßen dennoch in Ruhe unseren Sauerbraten und hofften, dass es noch andere Leute mit Hund im Hotel gibt, und wir nicht auffliegen. Wir schlichen uns ab und an aus dem Restaurant in den Hausflur um zu lauschen, und stellten fest, dass es nach einiger Zeit zum Glück doch ruhig wurde hinter unserer Zimmertür. Dann wieder im Zimmer war klar, dass nun, recht spät am Abend, der Wellnessteil nur funktionieren kann, wenn immer einer bei den Hunden blieb. Da der Whirlpool defekt war, die Sauna menschenleer und im Keller der Gruselfaktor recht hoch, hatten die Hunde nach kurzer Zeit ihr Rudel wieder beisammen. Nun konnte es auch für die beiden endlich entspannt werden.

 

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