Noch nie zuvor war ich mit Leni „im Urlaub“. Es ergab sich, dass ich gerade mein Auto zum Campingmobil eingerichtet hatte, und so wollte ich das gleich testen – in einem der Länder das ich schon eine Weile sehr gern einmal besuchen wollte – Slowenien.

Viel Zeit zum Planen war nicht, und so ergoogelte ich kurzerhand ein paar Orte, die mir gefielen, die ich einmal live sehen wollte. Dabei war ich vorrangig auf der Suche nach schöner Natur, Wanderungen und Gewässern. Einerseits hatte ich das Aufblaskanu mit, andererseits lieben Leni und ich es einfach, am Wasser zu sein, zu spazieren und zu baden.

Der erste Anlaufpunkt war Bled. Wenn auch sehr touristisch – es ist einer der bekannsten Orte des Landes – ist es doch auch einer der interessantesten und idyllischsten. Idyllisch, wenn man sich die Massen an Touristen wegdenkt. Oder um 5 Uhr morgens aufsteht, denn dann sind sie tatsächlich weg. In der Nähe des bleder Sees parkte ich und übernachtete 2 Nächte in meinem Auto. Jeden Tag waren Leni und ich früh um 5 auf den Beinen und hatten so immer für ein paar Stunden den See fast für uns allein. Als Bonus bekamen wir superschöne Sonnenaufgänge zu sehen.

Die Farbe des Wassers ist Wahnsinn. Ich kenne diese Farbe nur von Gletscherseen, die dann um die 1-2 Grad haben. Dieser See jedoch ist badewarm.

In der nahe gelegenen Vintgar Klamm kann man den Karst bestaunen – beeindruckende Felswände und das für diese Gegend so typisch glasklare Wasser. Dort mit Hund hineinzugehen funktioniert, vorrausgesetzt der Hund kommt damit klar, sich an Menschen auf engen Wegen und Brücken vorbeizuschieben. Leni hat es super mitgemacht und konnte immerwieder zwischendurch am Fluss baden.

Nachdem ich am nächsten Morgen noch einmal im See baden war, machte ich mich auf, Richtung Bohinj. Da ich ab jetzt im Triglav Nationalpark unterwegs war, wollte ich nicht mehr wild campen, denn das ist dort verboten und wird gerade in der Hochsaison streng kontrolliert. Vor dem Campingplatz, zu dem ich wollte, prankte ein Schild: „Camp Full!“. Mist, denn hier war kein anderer Campingplatz in der Nähe. Doch darüber wollte ich mir später Gedanken machen, erst einmal wanderten wir zum nahe gelegenen Wasserfall Savica.

Als ich am Abend zurück am Campingplatz war, fragte ich dann einfach mal nach. Natürlich wurde ich zunächst weggeschickt. Zu meiner Überraschung einigten sich die Rezeptionisten dann aber darauf, dass sie mich, da ich nur eine einzige Person bin und es schon spät ist, doch noch aufnehmen. Ein Riesenglück. Wenn der Camingplatz auch megavoll war, so fand ich mit meinem kleinen Zelt doch noch einen wunderbaren Ort, direkt am Wasserzugang.

Hier kam der Auftritt des Aufblaskanus. Das Wasser im See Bohinj war wieder unglaublich klar und relativ warm. Es war so schön hier, dass ich spontan eine Nacht länger blieb als gedacht. Jeden Morgen und jeden Abend schipperte ich mit Leni über den See, hielt an einer der zahlreichen Buchten, machte Essen und ging baden.

Um den See liegen Berge. Immer wenn ich so eine Bergkette sehe, möchte ich am liebsten hinauf und die Aussicht sehen. Das Wetter war aber zu heiß, um mit Leni hinauf zu wandern. Mir fiel dann eine Gondel auf, die an einem der Berge immer hoch- und runter fuhr. Kurzentschlossen machten wir auf dem Weg vom Campingplatz einen Halt an der Gondelstation. „Hunde nur mit Maulkorb“ sagte ein großes Schild in allen Sprachen. Ich hatte ja wirklich an alles gedacht für Leni, aber nicht an einen Maulkorb. Einen Versuch ists trotzdem wert, dachte ich, und so kaufte ich mein Ticket und ging mit Leni zur Gondel. Dort warteten schon ein Golden Retriever und ein Schäferhund, auch ohne Maulkorb. Wieder einmal Glück gehabt. Oft ist es hier mit den Regeln dann doch nicht ganz so streng, wie man es vielerorts von Deutschland kennt. Leni war die Gondelfahrt zwar nicht ganz geheuer, aber ich genoss den wunderschönen Ausblick, den man schon von der Gondel aus hatte.

Oben angekommen schaute man auf eine gewaltige Bergkette, herausragend der Triglav. Ich freue mich immer total über solche Aussichten. Es war nachmittags 15.30Uhr, es war also noch eine Menge Zeit bis zur  letzten Gondel zurück um 19.00, und so lief ich mit Leni einmal auf einem der zahlreichen Wanderwege. Tendenziell bergauf, denn vielleicht kommen wir ja zum Gipfel des Berges? Auf unserem Weg begrüßten wir freilaufende Kühe und nur sehr wenige andere Touristen. Schließlich entdeckte ich einen Hügel, der wohl die Spitze dieser Gegend war, des Skigebiets Vogel.

Ich war plötzlich allein, alle Touristen schienen wie vom Erdboden verschluckt. Mir fiel auf, dass der nahe gelegene Sessellift, der den laufbequemen Berg-nicht-steiger zum Gipfel fährt, um 16.00 seinen Dienst einstellt. Die anderen Leute hatten den letzten Sessellift zurück zur Hauptgondel genommen, und so war nun niemand mehr auf dem Gipfel außer Leni und mir. Wunderbar die Ruhe, und der aussichtsreiche und idyllische Weg zurück zur Gondelstation.

Am nächsten Tag verabschiedete ich mich schweren Herzens vom See Bohinj und nahm Kurs Richtung Tolmin. Dort besuchte ich Tolmin Gorges. Ähnlich der Vintgar Klamm sind das Gesteinsformationen, Schluchten, ein Fluss, und eine kleine Höhle, in die man hineinschauen kann.

In der Nähe Tolmins fand ich dann einen super Campingplatz, der trotz Hochsaison reichlich Platz bot, sodass ich mein Auto mit Blick zum Fluss parken konnte. Der Fluss war die Soca, ein klarer, kühler Fluss der weiter nördlich im Nationalpark entspringt. So ruhten wir uns erstmal am (Kies-)Strand aus. Eine kurze Regenfront, die wir tapfer an uns vorüberziehen ließen, bot am Ende einen wunderschönen Regenbogen, der den Fluss überspannte.

Ich liebte auch diesen Campingplatz, und dennoch wollte ich ein Stück weiter fahren, um noch andere Orte im Nationalpark und am Rande der Soca zu besuchen. Nach einem kurzen Zwischenstop in Kobarid erreichte ich Bovec.

Auch in Bovec hatte ich campingtechnisches Riesenglück, denn auch hier waren die Campingplätze restlos voll. Und trotzdem bekam ich dank der geringen Größe meines Autos und meinem Versprechen, auch gleich darin zu schlafen, noch einen Platz – wieder direkt an der Soca! Da ich ein ruhiges Plätzchen zum Abendessen suchte, durchquerten Leni und ich den doch sehr stark strömenden, saukalten Fluss, um an eine schöne Stelle am anderen Ufer zu gelangen.

Der Soca Trail verläuft fast an diesem Campingplatz, so machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg, um einen Abschnitt des Trails zu laufen. Später fuhren wir mit dem Auto noch zu einigen anderen Abschnitten und sahen immerwieder neue beeindruckende Stellen der Soca. Zu Beginn war Leni das Überqueren der vielen wackeligen und zum Teil recht hohen Hängebrücken sehr ungeheuerlich. Aber Übung macht den Meister – und Übung im Überqueren von Hängebrücken bekommt man auf dem Socatrail, ob man will oder nicht. Am Ende war Leni sehr entspannt und setzte sich sogar gemütlich hin, wenn ich ein Foto machte.

Immerwieder sieht man Kajaker, Menschen die es scheinbar gerade lernen, große Ausflugsgummiboote, und Paddelprofis. Ich bin geneigt, das auch einmal auszuprobieren. Das jedoch ist nur ohne Hund möglich, denn Leni mag keine Helme tragen.

Die letzte Nacht in Slowenien verbrachte ich auf einem Campingplatz in Trenta. Das war sehr unspektakulär, weil megavoll. Ich bekam zwar einen Platz, aber nur inmitten der vielen parkenden Autos. Das Gute war, dass ich deswegen am nächsten Tag früh aufbrach. Mein Plan war, direkt über den Vric Pass zu meiner letzten Übernachtung an einen See kurz hinter der italienischcen Grenze zu fahren. Ich fuhr also los. Bisher waren alle Straßen recht eng und kurvenreich, aber der Vric Pass trieb das ganze auf die Spitze. Ich muss sagen, mir machte es viel Spaß diese ganzen Kurven zu fahren, aber nur in dem Auto was ich hatte. Wie Leute in Vans, geschweige denn Wohnmobilen, diese Straßen fahren, ist mir schleierhaft. (Beim Fahren der Kurven konnte ich nicht fotografieren, aber man bekommt eine Idee wenn man ins Navi schaut).

Auf dem höchsten Punkt des Passes kann man parken. Eigentlich wollte ich nur kurz die Aussicht anschauen, entdeckte dann aber viele Wanderschilder. Ein kurzer Blick ins Handy verriet mir, dass es hier wohl eine kurze Wanderung zu einem Gipfel gibt. „Auch für Kinder geeignet“ stand darin. Dann wird es wohl auch für Leni machbar sein. Also spontan Auto geparkt, Wasser und etwas Essen eingepackt und auf zum Wanderweg.

Wir erreichten den Gipfel nach ungefähr einer Stunde. Auf dem Gipfel gab es Unmengen fliegender Ameisen oder Insekten die mich an fliegende Ameisen erinnerten. Das hatte den Vorteil, dass andere Wanderer den Gipfel zehnmal so schnell wieder verließen, wie sie ihn erklommen hatten. Ich dachte an die Kühe, die auch die ganze Zeit Fliegen auf sich sitzen haben, und stellte fest – wenn die so ruhig dabei bleiben, kann ich das auch. Ich erteilte den Flugobjekten also Lande- und Starterlaubnis auf mir, während ich in Ruhe ein paar Fotos machte und die Aussicht genoss.

Die meisten Wanderer gehen hier denselben Weg zurück, den sie gekommen sind. Die App aber sagte mir, dass man es auch als Rund-Tour laufen kann. Also nahm ich eine andere Route, die sich als ein wenig unwegsamer entpuppte als der Hinweg, zumindest für Lenis kurze Beine. Aber auch das ging mit ein paar Pausen. Leni brach in eine freudige Wälz-Arie aus, als sie nach dem vielen Geröll ein Fleckchen Schnee entdeckte.

Nach einer kurvenreichen Abfahrt, dem Kauf einer riesigen Wassermelone und nur 15 weiteren Minuten an Fahrtweg erreichten wir den Lago di Fusine in Italien, wo wir die letzte Nacht verbrachten. Auch hier wanderte ich morgens zur anderen Seite des Sees, um die Berge beim Sonnenaufgang zu beobachten.

Danach ging es auf den Heimweg. Die eine Woche erschien mir unglaublich lang. Einerseits weil wir innerhalb kurzer Zeit so viel gesehen haben, andererseits vielleicht auch, weil kein anderer Mensch mit war. Dadurch konzentriert man sich noch einmal mehr auf die Umwelt und das Geschehen, ist vielleicht etwas mehr im Moment. Doch so schön es allein ist, gibt es doch auch Zeiten in denen man gern jemanden zum quatschen, lachen und zum Boot tragen gehabt hätte 😉 Wie alles im Leben, hat auch das allein-mit-Hund-reisen eben zwei Seiten.

Auf jeden Fall ist der nördliche Teil von Slowenien, den ich hier besucht habe, wunderbar, und sehr hundefreundlich. Am besten fährt man außerhalb der Hochsaison, dann gibts auch mehr freie Campingplätze.

 

 

 

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