Der Morgen

Morgens quälten wir uns gegen 7 Uhr aus dem Zelt, da wir eine große Wanderung vor uns hatten. Etwas über 30km planten wir, mit kleinem Gepäck zu laufen.

Trotz eifriger Recherche fanden wir keine Wanderung durch den Nationalpark Bory Tucholsky, sondern nur Fahrradtouren. Wir entschieden uns, mit Hilfe unserer Wander-App eine eigene Route zu entwickeln. Im Internet wirkte die Parkpolitik recht streng: Absolute Leinenpflicht, Wege auf keinen Fall verlassen, nicht ohne Tickets betreten etc.

Alica dachte: Na wenn alles so geregelt ist, muss man ja nicht soviel Essen einpacken. Da gibt es bestimmt auch einen kleinen Imbiss. So wurde nur auf die Wasservorräte geachtet.

Der Weg ist das Ziel

Wir hatten den Campingplatz so gewählt, dass wir schon nach ca. 20 Minuten zu Fuß den Nationalpark erreicht hatten.

Gleich zu Beginn stellten wir fest, dass unser super Plan, uns per Handy-Karten zu lotsen, keine gute Idee war: den Großteil der Wege die man auf dem Handy sehen konnte, gab es im Park nicht, oder es gab Wege im Park, die man auf dem Handy nicht sah. Außerdem waren immerwieder Wege mit Baumstämmen versperrt.

Da wir uns von sowas nicht unterkriegen lassen wollten, liefen wir einfach nach Intuition und grober Richtung. Außerdem sahen wir auf dem Handy zumindest die Himmelsrichtung. Denn ansonsten sahen wir nur eines: Kiefern. In jede Richtung. Jeder Abzweeig, jede Kreuzung – Kiefern.

Alica war der Meinung, dass die Landschaft laut Beschreibung bald abwechslungsreicher werden würde, einige Seen, eine Heide, und auch von ihr geliebte Birkenwälder würden wohl bald auftauchen! Jedoch sahen wir auch nach mehreren Stunden: Kiefern. Soweit das Auge reicht. Das folgende Foto verdeutlicht unseren geistigen Zustand nach langer Wanderung durch immer andauernde Kiefern, Kiefern, Kiefern.

Trotzdem hatten wir große Freude an dem schönen Moos, das je nach Lichteinfall in den verschiedensten Farben erstrahlte.

Viele Stunden später

Mittels grober Karte und Himmelsrichtung hatten wir uns per Handy dann doch zu einem See gelotst, und Leni und Drágám konnten sich erfrischen.

Da wir noch viel vor uns hatten, ging es zügig weiter. Da wir nur sehr selten Menschen trafen und kaum etwas anderes als Kiefern sahen, hatte das Laufen mittlerweile durchaus etwas meditatives.

Keine Lust auf Menschen

Als wir die Mitte des Nationalparks erreicht hatten, stießen wir plötzlich auf größere Wege und damit auch Fahrradfahrer. Schnell war klar, dass wir den weiteren Weg nicht in diesem Tumult fortführen wollen. Also ging es weiter über kleine Pfade, wobei uns oftmals nicht sicher waren, ob das nun „offizielle“ Wege waren, da sie manchmal plötzlich aufhörten, oder sogar wie absichtlich versperrt wirkten.

Immer wieder stießen wir jedoch auch auf angelegte und dennoch einsame Wege.

Da überall wunderschöne Libellen rumflogen, durften die Hunde ausruhen, während Alica versuchte Libellen zu fotografieren.

Die Krise

Bei etwa Kilometer 22 wurde Alica nörgelig. WO IST MEIN BIRKENWALD! Mit etwas Mühe fanden wir einige einzelne Birken am Wegesrand. Alica wurde besser gelaunt. Es ließ einen Hoffnungschimmer in ihr erstrahlen. Vielleicht würden wir ja auch die Heidelandschaft noch finden.

Bald hatten wir jedoch ganz andere Sorgen, denn Hunger tat sich auf. Mittlerweile hatten wir eingesehen, dass die Imbissbude wohl nie erscheinen würde. Zum Glück hatten wir Müsli und Milchpulver eingepackt und so machten wir eine Pause. Keiner von uns hatte jedoch einen Löffel mitgebracht, und so aßen wir stattdessen mit einem Stock. Dreck reinigt schließlich den Magen.

Der Rückweg

Voller neuer Müsli-Energie machten wir uns auf den Rückweg. Die Landschaft veränderte sich immer noch kaum: Kiefern. Josi hatte gehofft eine Heidelandschaft zu sehen, Alica wollte einen reinen Birkenwald. Immerhin Alicas Wunsch wurde dann doch noch ein kleines bisschen erfüllt, auch wenn Josi ihr ganzes fotografisches Talent aufwenden musste um die paar Birken nach Wald aussehen zu lassen.

Die restlich Strecke verbrachten wir damit zu rätseln, warum genau es ein Nationalpark und sogar ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärereservart ist, wenn nahezu nichts ausser Kiefern und ab und zu kleine Seen zu sehen waren. Die Erklärung fanden wir im Nachhinein in diesem Wikipedia Artikel.

Überraschung

Gegen Ende fanden wir dann einen interessanten kleinen Pfad der jedoch gesperrt erschien.

Die Übersetzung ergab „Hinweis. Käfig wegen schlechten Zustands wegen Stornierung geschlossen. Kein Betreten“. Da der Weg aber so schön war, entschieden wir uns, ihn dennoch zu nehmen und wenn wir erwischt würden einfach zu sagen, das wir das Schild nicht lesen konnten. Eine gute Entscheidung, denn endlich variierte die Natur.

Wirklich schlimm war der Zustand auch nicht, es waren nur ein paar Holzlatten kaputt, aber für Mensch und Tier gut zu bewältigen.

Home sweet home

Der Rest des Weges verging wie im Flug. Überrascht sahen wir, dass wir 34Kilometer gelaufen waren. Hier unsere Route. Sie ist allerdings nur bedingt zur Nachahmung empfohlen, da wir uns nicht sicher sind, wie oft wir uns auf sogenannten „offiziellen“ Wegen befanden. Ohne stabile Wanderschuhe wäre es definitiv kein Spaß gewesen.

Endlich richtiges Essen 

Am Ziel wurden erstmal die Hunde mit einer riesigen Portion Futter versorgt. Dann wollten wir kochen. Es war jedoch recht windig und der Feuer ging immer wieder aus. Natürlich hatten wir unseren Alu-Kocher-Windschutz zu Hause gelassen. So bauten wir aus allen Rucksäcken und Taschen eine Kochstation, in der wir letztenendes sehr delikate Rote-Beete-Nudeln kochten.

Zu Alicas Begeisterung wurden die Nudeln aufgrund der roten Beete pink.

Gegen 21Uhr ging es völlig erschöpft ins Zelt. Drágám war so müde, dass es ihm auch egal war, als er zum Kopfkissen umfunktioniert wurde.

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