Am Morgen wurden wir recht früh wach, aber nicht die Sonne hatte uns geweckt, sondern Silvia, die direkt vor unserem Zelt Kaffee kochte und sang. Leni ging raus gucken, aber Josi, Drágám und Alica konnten sich noch nicht entschließen, aufzustehen. Es war 6:30 Uhr. Drágám schlief unter dem zur Decke umfunktionierten Schlafsack. Leni kam nach ihrer Erkundungstour zurück ins Zelt und lief freudig auf Alica zu, wie gewohnt direkt über die Schlafsäcke. Bei Alicas Kopf angekommen, bemerkte sie nicht, dass sie nun auf Dràgàm stand. Dràgàm streckte seinen Kopf aus dem Schlafsack um zu sehen, wer ihn da beim Ausschlafen stört. Plötzlich berührten sich zufällig die Nasen der beiden Hunde. Lenis Gesicht in diesem Moment werden wir so schnell nicht vergessen.

Ihre Augen wurden groß, sie legte ganz langsam den Rückwärtsgang ein. Drágám blieb gelassen und schlief weiter.

Nun war Zeit aufzustehen, schließlich hatten wir noch ein paar Kilometer vor uns. So früh am Morgen hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Elster.

Nachdem wir das Zelt mit Bedienungsanleitungen und gefühlten hundert Versuchen wieder zur Zielscheibe umfunktioniert hatten, ging es los. Wir hatten herausgefunden, dass die beste Möglichkeit die Elster zu überqueren, in der Nähe von Clodra war. Also wieder den Weg zurück.

Erstaunlicherweise wirken die Wege, wenn man sie in die andere Richtung läuft, komplett neu und so kam keine Langeweile auf.

Um den Fluss zu überqueren, mussten wir über eine Brücke deren Boden aus Gitter bestand. Drágám kennt sowas und lief tapfer drüber. Ihm blieb auch nichts anderes übrig, denn Alica hatte keine Lust, die 25 Kilo zu tragen. Rocco und Leni wurden kurzentschlossen auf den Arm genommen.

Munter ging es weiter, denn wir freuten uns schon auf einen möglichen See, den wir auf einer Karte entdeckt hatten. Erst schien es, als wäre der sogenannte See (Talsperre Albersdorf) ein Trinkwasserspeicher, aber so schnell wollten wir nicht aufgeben. Vom anderen Ende des Wassers hörten wir Kinderlärm, wir glaubten also, dass dort ein Freibad ist. Weit gefehlt. Es war ein ehemaliges Feriencamp und eine Gruppe Kinder tobte dort. Wir gingen zügig an den Kindern vorbei Richtung Wasser. Silvia warf sofort ihre Klamotten von sich und ging baden.

Alica war skeptischer und ging nur mit den Füßen rein. Natürlich nicht ohne ihre Barfusswanderschuhe, denn es war extrem schlammig und außerdem war es eine gute Gelegenheit, die Wassertauglichkeit zu testen. Belohnt wurde der Test mit einer riesigen Blase am Ende der Wanderung.

Josi entschied sich auch gegen das Baden, aber Leni tobte munter am Ufer.

Weiter ging es Richtung Berga und wieder lernten wir die unglaubliche Freundlichkeit der Vogtländer kennen. Da wir lange durch die Sonne gelaufen waren, suchten wir für einen Augenblick Schatten unter dem kleinen Vordach einer Garage. Wir saßen gemütlich auf unseren Rucksäcken und Silvia stellte fest, dass ihre Sandalen den Geist aufgegeben hatten. Mehr als ein „Huch, mein Schuh ist kaputt“ entfuhr ihr aber nicht, Silvia würde so einen Marsch auch barfuß machen.

Plötzlich fuhr ein Auto vor und wir machten uns schon bereit für vorwurfsvolle Fragen, was wir an der Garage zu suchen hatten. Nichts dergleichen. Die Leute entschuldigten sich fast, dass sie reinfahren mussten, fragten, ob wir etwas vor ihrer Garage entspannen konnten, und wünschten uns noch alles Gute.

Der Weg ging weiter durch wunderschöne Felder und am Wegesrand wurde immer mal wieder genascht.

Die Handyakkus neigten sich nun langsam dem Ende zu – der richtige Zeitpunkt, die Solarstation zu testen. Josi befestigte sie mit Karabinern am Rucksack.

Es stellte sich schnell heraus, dass es eine sehr empfindliche Angelegenheit war. Sobald Schatten auf die Solaranlage fiel, musste man das Handy neu anstecken, damit es weiterlud. Das mag aber am Handy liegen – iPhones sind etwas pingelig, wenn es um konstante Stromzufuhr geht. Silvia, die sich weder für Handys noch für Solarstationen interessiert, wanderte einfach und wollte sich bei der Pause einfach nur ausruhen. Dabei hatte sie jedoch ein unglaubliches Talent darin, sich genau da auszuruhen, wo ihr Schatten auf die Solarzellen fällt. Heute noch ein Ohrwurm: „Silvia… du stehst vor der Solarstation“……. Schön war auch der Moment als Silvia jammerte: „Jetzt muss ich in den Brennnesseln liegen, damit die Handys laden können“.  Zunehmend kreisten unsere Gespräche darum, wie voll wir denn schon die Handys geladen hatten. Immerwieder hörten wir dann ein ironisches „Na wieviel Prozent..“ aus der Ferne von Silvia.

Die Hunde hatten andere Sorgen. Jeder Minute, die wir zur Orientierung brauchten, wurde als Pause im Schatten genutzt.

Wir wussten, dass wir am Ende noch eine heftige Berg-Etappe vor uns hatten und unsere Lust auf Eis stieg von Kilometer zu Kilometer. Unsere Geduld wurde belohnt! Bei Neumühle/Elster fanden wir ein nettes kleines Cafe mit unfassbar leckerem Eis.

Die Reste dürfen ausnahmsweise die Hunde ausschlecken.

Die letzte Etappe war heftig, denn es ging tatsächlich stetig bergauf, aber es lohnte sich, denn auf dem Hirschstein, dem höchsten Punkt, befand sich ein toller Aussichtspunkt mit Blick auf Greiz.

Nun stand der Abstieg an. Und eh wir uns versahen, standen wir wieder vor dem Auto. Immerhin hatten wir 60 km und ca. 2000 Höhenmeter geschafft.

Diese Wanderung hat gezeigt – der Elsterperlweg lässt sich fantastisch mit Hunden laufen. Er ist nicht überlaufen und die Hunde können viel frei laufen, es sei denn sie gehen gern jagen, aber dafür gibt es ja Schleppleinen. Die Menschen, denen man in den Ortschaften begegnet, sind superfreundlich und die Landschaft ist toll. Diese hält, zumindest im Juli, überall Essen bereit. Es lohnt sich, aber der Weg ist gerade mit Gepäck nicht zu unterschätzen.

 

 

 

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