Der Morgen

Wie üblich war Silvia wach, sobald es hell wurde. Da Dezenz nicht ihre Stärke ist, waren in kürzester Zeit alle wach. Jedoch waren nicht alle bereit das Zelt sofort zu verlassen.

Leni und Silvia blieben beharrlich in ihren Motivationsversuchen und so verließen wir dann doch unser gemütliches Bett.

Es lohnte sich, denn das Licht und der Blick auf den See waren traumhaft.

Nun hörten wir uns Silvias Geschichten der Nacht an. Sie hatte nur einen kleinen Fleece-Schlafsack mitgenommen und kaum geschlafen, da ihr schrecklich kalt war.

Wir dagegen konnten nicht meckern. Dank der Tatsache, dass wir zu viert – Alica, Josi, Leni und Dràgàm – im Zweipersonenzelt genächtigt hatten, war eher Sauerstoffarmut als Kälte zu beklagen. Bei den Frühstücksgesprächen ging es nun darum, wer die nächste Nacht sinnvollerweise bei wem schläft, damit niemand friert. Oder sollten wir alle zusammen, 3 Menschen und 2 Hunde, im Zweipersonenzelt wie die Sardinen liegen? Eine Lösung war nicht so einfach, denn Silvias schwarzer Fleeceschlafsack sollte nicht mit Drágáms weißen, schwer entfernbaren Haaren in Berührung kommen. Nachdem wir beschlossen hatten das Thema zu vertagen, amüsierten wir uns über unsere Camping Outfits.

Nun ging es erstmal ab in den See. Das Wasser war angenehm warm. Nach dem Bad war Alica startklar, die Abreise verzögerte sich jedoch, da der Rest nicht so fix fertig wurde. Also wurde schon vor dem Start eine Pause eingelegt.

Nachdem alles gepackt war entschieden wir uns, nicht die offizielle Route zu nehmen, sondern über den Kammweg zu laufen. An den Kilometern änderte sich nicht viel, aber so konnten wir uns das ganze rauf und runter ersparen. Ja… es ist das eigentliche Ziel Berge zu erklimmen, aber es waren 35 Grad angekündigt und wir mussten noch viele Kilometer schaffen.

On the Road

Der Kammweg führte uns an der Tschechischen Grenze entlang. Nachdem wir einige Kilometer geschafft hatten, ließen wir es uns nicht nehmen, nocheinmal über die Grenze zu gehen.

Hauptgrund war natürlich, dass wir unsere Lebensmittelvorräte aufstocken wollten. Natürlich mussten wir auch ein kleines Eispäuschen machen. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es wieder zurück auf die deutsche Seite.

Der Hochzeitsweg

Der Weg führte uns nun den Hochzeitsweg entlang. Dort gab es einen Baum mit Namensschild von jedem verheirateten Paar der Umgebung.

Auch auf unverheiratete Genossen trafen wir. Vielleicht wäre er ein Prinz geworden? Leider weigerte sich Alica, ihn zu küssen.

Abkürzen was das Zeug hält

Im Gänsemarsch ging es weiter Richtung Hermsdorf. In Anbetracht der Hitze ersparten wir uns den Schlenker über die Steinkuppe. Wir wollten uns in der Nähe von Seyer einen Schlafplatz suchen, da es laut google maps so aussah, als würden dort einige Bäche sein.

Der Schlafplatz

Wir waren uns uneinig, in welcher Richtung wir nach einem passenden Ort zum Zeltaufschlagen suchen sollten. Kurzentschlossen lief Silvia zu zwei Damen im Dorf, um zu fragen, wo man in der Nähe wild campen kann. Uns wurde Angst und Bange, denn dass wir wild campen, muss man ja nicht an die große Glocke hängen. Zu unserer Überraschung waren die Damen aus dem Dorf sehr freundlich und empfahlen uns ein stilles Plätzchen, an dem sich „Hase und Fuchs Gute Nacht sagen“. Kurz bevor wir dort ankamen, entdeckten wir eine riesige Zucchini im Gras. Die nahmen wir natürlich mit, für einen leckeren Zucchini-Eintopf-Nudel-Mix. Uns fehlte nur noch ein Tisch zum Kochen und Essen. Den fand Alica im Wald.

Nun konnte gekocht werden.

Nachdem die Mägen voll und alle Blasen verarztet waren, ging es recht früh ins Bett. Silvia entschied sich auf Hundehaare an ihrem Schlafsack zu verzichten, und so blieben wir bei der alten Konstellation: Silvia alleine, Leni, Drágám, Josi und Alica im anderen Zelt.

Die Nacht

Gegen vier Uhr wurden wir wach. Wir hörten, wie jemand ums Zelt lief. Das war etwas unheimlich. Alica hielt Drágám, der zu knurren begann, die Schnauze zu. Vielleicht nicht das schlaueste, wie wir im Nachhinhein dachten. Nach einiger Zeit in der wir beratschlagten was wir tun sollten, und den Versuchen uns einzureden, dass die Schritte ja auch von Silvia sein könnten, wurde es wieder ruhig. Der letzte Teil der Nacht verlief dann nicht mehr so entspannt, da wir ständig horchten ob nochmal jemand kam.

Der nächste Morgen

Schnell war geklärt, dass Silvia nicht unser nächtlicher Besucher war. Wir sahen aber, dass an den Zelten ein Trampelpfad in den Wald führte. Wir entschieden, dass es wohl ein Waldarbeiter gewesen sein musste, der uns netterweise nicht vertrieben hatte. Gerade als wir alles abbauen wollten, zog sich der Himmel zu und wir flüchteten schnell nochmal in ein Zelt, um nicht nass zu werden. Da Josi nach wie vor Knieschmerzen hatte, wurde die Zeit gleich für eine kleine Runde Physiotherapie genutzt.

Die Diagnose lautete, dass Josis rechtes Bein viel stärker ist, als ihr linkes. Auf Dauer führt das Ungleichgewicht zu Knieschmerzen. Silvia erklärte ein paar Übungen, die man machen kann um das ein bisschen auszugleichen. Aber wahrscheinlich ist da etwas Grundlegendes an Hüfte/Rücken schief.

Nachdem der Regen aufgehört hatte, ging es weiter Richtung Start-/Endpunkt. Da für 15Uhr ein Gewitter angekündigt war, entschieden wir uns erneut, nicht die reguläre Route zu nehmen, sondern auf schnellstem Weg Richtung Ziel zu laufen.

Der Weg zurück 

Zunächst führte uns der Weg an einigen Straßen entlang. Aber schon bald waren wir wieder im Schlaraffenland. Es wuchsen wunderbare Obstbäume am Wegesrand und wir legten erstmal eine Frühstückspause ein.

Alica das Stadtkind musste sich erstmal genau angucken was das sein soll…

Letzte Etappe

Außer Silvia waren alle k.o.: Alica taten die Füße weh, Josi das Knie und auch Drágám und Leni sprühten nicht gerade vor Energie. So waren wir alle froh, als wir den Großen Galgenteich erreicht hatten.

Eigentlich wollten wir noch eine Runde baden, aber das war gar nicht so einfach. Die einzige erlaubte Stelle war das Freibad, und da waren Hunde nicht gestattet. So glaubten wir.. Im Nachhinein erfuhren wir, dass es im Freibad auch eine Hundestelle gab. Naja.. Nächstes Mal.. Wir trösteten uns mit einem Eis, als wir endlich das Auto erreicht hatten. Löffel hatten wir natürlich nicht dabei.

Fazit

Die Wanderung „14 Achttausender im Osterzgebirge“, so wie sie im Wanderführer geschrieben steht, haben wir sehr stark abgeändert, und eine neue Route daraus gemacht. „Ein paar Achttausender im Osterzgebirge für Sommertemperaturen.“ Von den geplanten 75km sind wir 60 gelaufen. Dabei haben wir uns viele Gipfel erspart. Das macht jedoch nichts, denn wir hatten eine gute Zeit und mehr wäre sowohl für uns, als auch für die Hunde Quälerei gewesen und wer weiß.. vielleicht laufen wir die Tour ja nocheinmal, so wie sie eigentlich gedacht ist ;).

 

 

 

 

 

 

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